PRIMAVERA BIO: ELISA PEDRAZZOLI ERZÄHLT VON DEN ANFÄNGEN DER MARKE IM BEREICH BIO

Pedrazzoli ist seit Ende 1995 in der Bio-Produktion tätig. Das geschah fast zufällig, als ein etwas improvisierter Züchter  mit etwa einhundert biologisch gehaltenen Schweinen Kontakt zu unserem Unternehmen aufnahm und uns fragte, ob wir an einem für die damalige Zeit neuem Experiment teilnehmen wollten: der Produktion von Bio-Wurst.

Damals schrieb ich gerade an meiner Abschlussarbeit für die Universität undmein Studium hatte mit der Arbeitswelt meiner Familie überhaupt nichts zu tun. Dennoch wollte ich das Unternehmen unterstützen und war im Büro, als diese ungewöhnliche, aber sehr charismatische Person bei uns vorsprach. Ich begriff sofort, dass sein Angebot interessant war, da es die Produktion und den Verkauf des Produkts auf ein komplett anderes Niveau hob. Es ging nicht mehr um den reinen Verkauf eines Produkts, sondern um den „Verkauf“ eines einzigartigen Projekts,  das perfekt zu der von mir anvisierten Unternehmensphilosophie passte: weniger Einsatz von Konservierungsmitteln bzw. der  vollständige Verzicht darauf, da die Vorschriften für die biologische Produktion Konservierungsstoffe untersagten, und wir mussten uns an diese Vorschriften halten, auch weil sie die einzigen für den Bereich Bio waren. Die Bio-Viehhaltung unterschied sich komplett von der konventionellen Viehhaltung. Ihre Regelwerke schützten das Tierwohl – etwas für die damalige Zeit sehr Ungewöhnliches. Dieser Aspekt faszinierte mich besonders,  da das Projekt in Verbindung mit Wurstmachertradition meiner Familie stand und gleichzeitig mein durch meine humanistische Ausbildung geprägtes Verständnis widerspiegelte, nach dem ich die intensive, industrielle Viehhaltung verurteilte.

Im Jahr 1996 begannen wir versuchsweise mit der Produktion der ersten Würste aus biologisch produziertem Schweinefleisch. Am Anfang handelte es sich natürlich nur um wenige Tiere und mein größtes Problem war einerseits die Zertifizierung eines Produkts, für das es keine spezifischen Vorgaben zum Schutz der biologischen Fleischproduktion gab, und andererseits die Akquise von Kunden, denn die damalige Biobranche wandte sich vor allem an Vegetarier. Die Kunden, an die ich mich wandte, aßen kein Fleisch, was die Angelegenheit natürlich erschwerte. Ich erinnere mit an die erste Fachmesse, an der wir teilgenommen haben: die Sana 1996. Wir hatten einen Riesenerfolg, alle waren neugierig auf das neue Produkt: Wurst aus Bio-Fleisch! Die Besucher fragten mich, ob die Wurst wirklich aus Fleisch hergestellt war – oder aus „Kadavern“, wie einige sagten. Auf der Sana fand ich den ersten wichtigen und interessanten Kunden. Er kam  aus Deutschland und ist auch heute noch bei uns Kunde. Er setzte sich an den Verkostungstisch und probierte drei Scheiben Salami (damals produzierten wir Knoblauchsalami, Mailänder und milde Salami). Dann sagte er: „Ich will zweihundert von jeder“. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Leute immer geflüchtet, deswegen war dieser erste Erfolg ein wichtiges Signal, denn ich verstand immer besser, dass wir – zumindest im Ausland – die Chance hatten, eine Marktnische zu erobern und die Anfangsschwierigkeiten zu umgehen. Zum Glück wurde uns auch in Italien bald eine große Chance geboten. Unser erster italienischer Kunde war NaturaSì, auch heute noch ein sehr wichtiger Kunde, der in den 90er Jahren seine ersten Geschäfte eröffnete. Und auch wenn seine Kunden vor allem vegetarische Produkte nachfragten, zeigte er sich offen für die Innovation seiner Angebotspalette undverkaufte nun auch Fleischerzeugnisse. Das Unternehmen war nicht nur ein Vorreiter der Bio-Branche, sondern auch weitsichtig. Im Gegensatz zu diversen Großhändlern, die nichts mit Fleischprodukten zu tun haben wollten. begriff es, dass es auch für Wurstwaren aus Bio-Fleisch einen Markt geben würde.

So begann meine Geschichte und die des Salumificio Pedrazzoli in der Bio-Branche, einer besonderen und anderen Welt als die der traditionellen Wurstherstellung . Vielleicht hat sie mich deswegen sofort fasziniert , was sich auch bis heute nicht geändert hat. Eine Welt in beständiger Entwicklung, die Nahrungsmittel nicht nur als Produkt, sondern auch als Wert sieht,  als Ausdruck des Engagements der Personen, die das Produkt herstellen, als Ausdruck des Gedankens, der dahinter steht, und  des Orts, wo es herkommt.